Geschäftsbericht 2025

Inhalt

Vorwort des Präsidenten

Säen und ernten!

In der Wirtschaft scheint die Sache klar: Wer als Unternehmen mittel- und langfristig Erfolg haben will, muss zuerst investieren. Kurzfristige Gewinne sind zumindest in der produzierenden Industrie eher selten, auch wenn der Einsatz der KI in Zukunft manches verändern mag. Blicken wir auf das «Kerngeschäft» unserer Stiftung, also auf die Unterstützung und Förderung besonders begabter junger Menschen, gilt es zu differenzieren. Auch für unsere Arbeit gilt zwar, dass im Rahmen der Begabtenförderung gezielte Investitionen, sprich finanzielle Unterstützung, notwendig, ja oft zwingend sind. Ob und vor allem wann diese zum Erreichen der gesetzten Ziele führen, ist in unserer Tätigkeit jedoch nicht immer von Anfang an klar.

Nehmen wir zum Beispiel die Förderung junger, talentierter Sportlerinnen und Sportler. Hier gibt es zumindest Erfahrungswerte, in welchem Alter in welcher Sportart Bestleistungen erzielt werden können. Eiskunstläuferinnen und Turnerinnen müssen sehr früh, also spätestens mit etwa fünfzehn Jahren, Topleistungen vorweisen können, wollen sie mit der Weltspitze mithalten. In diesen Fällen sehen wir als Stiftung relativ rasch, ob unsere finanzielle Hilfe Früchte trägt. In anderen Sportarten, etwa im Langlauf oder im Triathlon, erreichen die Athleten erst ab Mitte zwanzig ihren Leistungshöhepunkt – also meist viele Jahre nach dem Ende unserer Förderung.

Im kulturellen Bereich dauert es meist noch deutlich länger, bis klar wird, ob die begabten jungen Menschen ihre hoch gesteckten Ziele erreichen können oder gar eine Weltkarriere in Angriff nehmen. In der Regel ist es hier so, dass wir aufgrund unserer Altersbeschränkungen nur eine Anschubfinanzierung leisten können und anschliessend andere Institutionen gefragt sind, Hilfe zu leisten.

Zu der Begabtenförderung gehört aber auch, dass sich in einzelnen Fällen die erhofften Erfolge nicht einstellen und Träume platzen. Wir sind uns dieser Ungewissheit sehr bewusst und leisten darum in allen Fällen unsere Unterstützung «à fonds perdu», verzichten also auf eine Rückzahlung der von uns zur Verfügung gestellten Mittel.

Umso mehr freut es uns natürlich, wenn «Ehemalige» unserer Stiftung, deren Karrieren besonders erfolgreich verlaufen, auch öffentlich betonen, wie wichtig unsere finanzielle Hilfe zu Beginn ihrer Laufbahn war. So hat der beste Skifahrer der Gegenwart, Marco Odermatt, anlässlich seiner Biographie in einem sympathischen Video die Bedeutung unserer Stiftung zu Beginn seines Siegeszuges geschildert. Und die Snowboarderin Julie Zogg hat sich vor kurzem in einem Interview daran erinnert, wie entscheidend unsere Hilfe am Anfang ihrer Karriere für sie und ihre Familie war.

Solche Beispiele ermuntern uns, mit unserer Arbeit fortzufahren. Und sie erinnern uns daran, dass auch für unsere Tätigkeit gilt: Zuerst säen, später ernten!

Allen, die uns auf diesem Weg begleiten, danke ich herzlich.

Urs Lauffer

Das Jahr im Rückblick

Leistungsbericht 2025

Stiftungszweck

Bereits seit siebenundzwanzig Jahren fördert unsere Stiftung auf ausschliesslich gemeinnütziger Basis begabte junge Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz mit finanziellen Beiträgen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wir wollen dort helfen, wo für das Erreichen des Stiftungszwecks keine oder nicht ausreichende öffentliche Gelder zur Verfügung stehen. Dabei konzentrieren wir uns auf Einzelfallhilfe und unterstützen junge Menschen direkt mit einem finanziellen Beitrag. Unterstützungsberechtigt sind junge Menschen im Alter von 10 bis 25 Jahren. Wir prüfen Gesuche aus den Bereichen Schule (inkl. Fachhochschulen), Handwerk, Kultur und Sport. Gesuche zugunsten eines Studiums an einer Universität oder an der ETH können nicht berücksichtigt werden.

Bewilligte Gesuche und Aktivitäten

2025 hat der Stiftungsrat von 168 (Vorjahr: 116) eingegangenen Gesuchen 85 (Vorjahr: 82) positiv beurteilt und dafür 1 419 905 Franken (Vorjahr: 1 335 937 Franken) bewilligt. Davon entfielen rund 45 % auf den Bereich Sport, 38 % auf den Bereich Kunst und 17 % auf die übrigen Bereiche (inkl. Hochbegabungen).

Der Stiftungsrat

Der Stiftungsrat der Fritz-Gerber-Stiftung besteht aus 10 Mitgliedern. Diese werden jeweils auf zwei Jahre gewählt. Die derzeitige Amtsperiode läuft bis zum 31. Dezember 2026. Urs Lauffer wirkt seit dem 1. Januar 2005 als Präsident.

Der Stiftungsrat ist im Berichtsjahr zu drei Sitzungen zusammengekommen. Im Zentrum dieser Sitzungen steht immer die Prüfung und Genehmigung der einzelnen Anträge, die von der Geschäftsstelle vorgelegt werden. Darüber hinaus erörtert der Stiftungsrat die statutarischen Geschäfte und beurteilt den Erfolg unserer Hilfe. Der Stiftungsrat überprüft dabei sowohl die Effektivität, als Mass der Wirksamkeit unserer Arbeit, als auch die Effizienz, d. h. die Wirtschaftlichkeit des Mitteleinsatzes. Auf dieser Grundlage und anhand konkreter Einzelfälle passt der Stiftungsrat wenn nötig die Schwerpunkte in den nächsten Jahren an. Schliesslich beschäftigt sich der Stiftungsrat auch mit allen finanziellen Fragen (inkl. der Anlagerichtlinien, die regelmässig geprüft und überarbeitet werden) und überwacht die Tätigkeit unserer Geschäftsstelle.

Finanzen

Die Stiftung finanziert ihre Tätigkeit in erster Linie aus Vermögenserträgen. Im Berichtsjahr verzeichneten die Finanzmärkte insgesamt sehr gute Ergebnisse. Erfreulicherweise konnte die Stiftung 2025 einen Gewinn von 163 580 Franken erzielen. Das Organisationskapital hat sich per Jahresende auf 26,3 Millionen Franken erhöht. Damit kann unsere Stiftung ihre Ausschüttungen im bisherigen Rahmen auch in den nächsten Jahren fortsetzen.
 

Rechnungslegung

Seit 2005 wenden wir für die Jahresrechnung unserer Stiftung die Kriterien von Swiss GAAP FER 21 an. Diese Rechnungslegung wurde speziell für gemeinnützige Organisationen geschaffen, um eine hohe Transparenz zu gewährleisten.

Im Namen der Geschäftsstelle danke ich allen sehr herzlich, die unsere Arbeit möglich machen und uns bei unserer Tätigkeit unterstützen.

Stéphanie Ramel

Kennzahlen in CHF

Unterstützungsbeiträge

2024

1 336 000

2025

1 420 000

Organisationskapital

2024

26 138 000

2025

26 301 000

Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 hat die Stiftung 35,8 Millionen Franken an Unterstützungsbeiträgen geleistet.
Vier grosse Talente

Team Heinzer

Seit 2017 betreut unser Bereichsleiter Max Heinzer besonders begabte junge Sportlerinnen und Sportler im «Team Heinzer». Der ehemalige Weltmeister im Degenfechten findet für sein Team immer wieder junge Persönlichkeiten, die über die Voraussetzungen verfügen, in ihrer Sportart ganz an die Spitze zu gelangen. Hier stellen wir vier dieser Talente vor!

Stefanie Grob (22), Ski alpin

Mit acht Medaillen an Junioren-Weltmeisterschaften und zwei Junioren-Weltmeistertiteln in der Abfahrt ist sie die erfolgreichste Nachwuchsskifahrerin der Schweiz überhaupt – und auch die Vielseitigste. Das «Best Talent Sport 2023» startet in drei Disziplinen (Abfahrt, Super-G und Riesenslalom) und will nun im Weltcup Fuss fassen.
 

Leo McCrea (22), Schwimmen

Als erster Schweizer Paralympics-Sieger im Schwimmen schrieb er 2024 in Paris Geschichte. Jetzt ist Leo McCrea dabei, sich auf die Mission Titelverteidigung 2028 in den USA vorzubereiten. Neben dem Schwimmen setzt sich der 22-Jährige für mehr Inklusion im Alltag ein und weiss dabei auch als Referent zu überzeugen.

 
 Timea Rankl (17), Leichtathletik

Sie ist eines der herausragenden Sprint-Talente der Schweiz und verblüffte die Sportwelt, als sie den U18-Schweizer Rekord von Mujinga Kambundji unterbot. Die Kanti-Schülerin gewann 2024 mit der Staffel Silber an der U20-WM in Peru, trainiert bei Appenzellerland Sport und wurde dort 2025 zur Athletin des Jahres gekürt.
 
 Anja Weber (24), Langlauf / Triathlon

Sie wurde 2025 WM-Dritte im Langlauf und ist eine echte Ausnahmesportlerin: Sie gibt zweigleisig Vollgas, zählte im Langlauf-Teamsprint zu den Medaillenkandidatinnen für die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien und strebt gleichzeitig die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2028 in den USA im Triathlon an – eine der wenigen Schweizer Athletinnen mit realistischen Chancen auf Winter- und Sommerspiele.

Geschichten von unterstützten Talenten

Wenn Visionen Flügel bekommen

Vom Swing-Kind zur professionellen Musikerin

Vom ersten Swing‑Moment bis zur Royal Academy of Music: Sophie Bright erzählt, wie aus einer frühen Faszination eine professionelle musikalische Laufbahn wurde.

Sophie Bright

Vom ersten Akkord zur Meistergitarre: Meine musikalische Reise

Musik begleitet Lucas Land seit seinen ersten Erinnerungen – als Sprache der Familie, als Leidenschaft und heute als Berufung. Seine Geschichte erzählt von Herkunft, Hingabe und dem Moment, in dem ein Instrument zur lebenslangen Begleiterin wird.

Lucas Ignacio Land
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