Geschäftsbericht 2020

Inhalt

Geschlossene Grenzen, leere Kassen
Vorwort des Präsidenten
Fritz Gerber, 1929–2020
Nachruf
Leistungsbericht
Das Jahr im Rückblick
Einsatz und Kreativität
Geschichten von unterstützten Talenten
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Geschlossene Grenzen, leere Kassen

Vorwort des Präsidenten

Urs Lauffer, Präsident des Stiftungsrates

Viel ist über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie schon geschrieben worden. Im Vordergrund standen dabei verständlicherweise die dramatischen gesundheitlichen Folgen, von denen in erster Linie die ältere Generation betroffen ist. Festgehalten wurden auch die grossen wirtschaftlichen Einschnitte, welche das Coronavirus durch seine weltweite Verbreitung ausgelöst hat und weiterhin auslöst. Ich will mich darum an dieser Stelle auf die Verwerfungen konzentrieren, welche durch die Pandemie im abgelaufenen Jahr in der Schweiz in der Begabtenförderung verursacht wurden und mit denen sich auch unsere Stiftung ganz konkret auseinandersetzen musste.


Zwei Auswirkungen stehen dabei aus meiner Sicht im Vordergrund: Zum einen haben weitgehend geschlossene Grenzen die Pläne vieler begabter junger Menschen für ein Studium oder eine Aus- und Weiterbildung im Ausland für lange Zeit erschwert oder ganz verunmöglicht. Natürlich wurde Vieles wenigstens teilweise virtuell über Zoom oder Skype angeboten. Aber gerade in unseren grössten Förderbereichen – Sport und Kultur – sind physische Begegnungen über Landesgrenzen hinweg von entscheidender Bedeutung. 2020 fielen zahlreiche Wettkämpfe und Meisterschaften ebenso weg wie die meisten Auslandsaufenthalte und Auftritte für junge Musikerinnen und Musiker, Schauspielerinnen und Schauspieler, Tänzerinnen und Tänzer. Das hat für viele besonders begabte junge Menschen mittel- und langfristige Planungen über den Haufen geworfen, Abschlüsse unmöglich gemacht oder zumindest verzögert und den angestrebten Karriereweg erschwert.


Zum anderen hat die Begabtenförderung durch die öffentliche Hand vor allem aus finanziellen Gründen einen starken Rückschlag erfahren. Denn verständlicherweise müssen Gemeinden, Kantone und der Bund in ihrer Finanzplanung neue Prioritäten setzen und versuchen, die vorhandenen Mittel gezielt dafür einzusetzen, dass die Folgen der Covid-19-Pandemie auf die Wirtschaft und auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wenigstens teilweise vom Staat abgefedert werden können. Aus meiner Sicht ist diese kurz- und mittelfristige Priorisierung richtig, auch wenn sie spürbar zu Lasten jener staatlichen Tätigkeiten geht – und auch in den kommenden Jahren gehen wird –, die nicht im Bereich des zwingend Notwendigen, sondern im Bereich des Wünschbaren angesiedelt sind. Machen wir uns nichts vor: Hochbegabtenförderung ist wichtig, aber unter Pandemiebedingungen steht im Bildungsbereich zurzeit das Erreichen der primären Ziele in den Schulen und Universitäten im Zentrum der Bemühungen.


Umso wichtiger ist nun die private Förderungstätigkeit. Wir haben das in den vergangenen Monaten eindrücklich erlebt. Bei vielen Gesuchen, die uns erreicht haben, stand die finanzielle Überbrückungshilfe im Vordergrund. Es galt, zwangsläufige Verlängerungen von Weiterbildungen zu ermöglichen und notwendig gewordene Umwege zum Ausbildungsziel zu finanzieren. Zum Teil war besonders rasches Handeln unsererseits zwingend. Dies war für uns darum anspruchsvoll, weil auch unsere Geschäftsstelle während der verschiedenen Phasen der behördlich verordneten Einschränkungen den normalen Betrieb nur teilweise aufrechterhalten konnte. Dank des grossen Einsatzes der Geschäftsstelle, aber auch des Stiftungsrates ist es uns gelungen, grössere Verzögerungen in der Entscheidungsfindung zu vermeiden und auch 2020 massgeschneiderte Lösungen für zahlreiche hochbegabte Menschen zu ermöglichen.


So konnten wir im Berichtsjahr erneut über einhundert Gesuchen stattgeben und dafür gut 1,5 Millionen Franken bewilligen. Auch die persönliche Beratung der jungen Menschen und ihrer Eltern konnte – unter Einhaltung aller behördlichen Vorgaben – im bewährten Rahmen durchgeführt werden. Es war auch für mich eindrücklich zu erleben, wie sehr sich viele Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller freuten, nach langer Isolation wieder einmal ein persönliches Gespräch in den Räumen unserer Geschäftsstelle im Haus zum Paradies führen zu können.
Ich danke allen – insbesondere unserer Geschäftsführerin Stéphanie Ramel und unserem Bereichsleiter Sport Max Heinzer –, welche dies und vieles mehr im Pandemiejahr 2020 möglich gemacht haben.


Für 2021 hoffe ich, dass es unserer Stiftung im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn gelingen möge, wieder Grenzen zu überwinden und die Pläne und Hoffnungen möglichst vieler hochbegabter junger Menschen Realität werden zu lassen.

Urs Lauffer

Fritz Gerber, 1929–2020

Nachruf

Wir trauern um unseren Gründer und Stifter. Am Sonntag, den 10. Mai 2020, ist Fürsprecher Dr. h. c. Fritz Gerber im Alter von 91 Jahren gestorben. Bis zuletzt lag ihm seine Stiftung und dabei ganz besonders das persönliche Wohlergehen der von uns unterstützten begabten jungen Menschen am Herzen. Mehrmals pro Woche telefonierte er mit mir und mit Stéphanie Ramel und liess sich über die aktuellen Themen der Stiftung ins Bild setzen. Nun ist also die prägnante Stimme unseres Ehrenpräsidenten für immer verstummt. Wir sind traurig, aber gleichzeitig sehr dankbar, dass wir über eine so lange Zeit mit dieser Jahrhundertpersönlichkeit vertrauensvoll zusammenarbeiten durften.

Fritz Gerber, Gründer und Stifter

Ich lernte Fritz Gerber 1983 in der Blüte seiner auch im internationalen Vergleich einmaligen beruflichen Karriere kennen. Er war damals Verwaltungsratspräsident und CEO der «Zürich Versicherungs-Gesellschaft» sowie von Roche. Gleichzeitig war er Vizepräsident von Nestlé, Verwaltungsrat der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) und von IBM worldwide. Kurzum: Er absolvierte ein berufliches Pensum, das heute undenkbar wäre – und dies erst noch sehr erfolgreich. Der gebürtige Huttwiler war damals zudem als Oberst der Artillerie und Regimentskommandant tätig und wirkte in verschiedenen nationalen und internationalen Kulturinstitutionen mit. Aber auch seine Familie war Fritz Gerber zeit seines Lebens wichtig. Es war ihm darum eine besondere Freude, dass mit seiner Gattin Renate Gerber, seiner Tochter Regula Gerber und seiner Enkelin Kimberly Barrier drei Generationen seiner Familie in unserem Stiftungsrat tätig sind.
1998 konfrontierte mich Fritz Gerber mit Blick auf seinen bevorstehenden 70. Geburtstag mit der Idee, eine Förderstiftung zugunsten besonders begabter junger Menschen zu errichten. Und wie so oft im Leben von Fritz Gerber ging dann alles ganz schnell: Bereits 1999 nahm die Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen ihre Arbeit auf, ausgestattet mit einem grosszügigen finanziellen Polster von zwanzig Millionen Franken. Bis Ende 2004 präsidierte Fritz Gerber seine Stiftung selbst und blieb bis Ende 2012 im Stiftungsrat. Aber auch in seinen letzten Lebensjahren nahm er als interessierter und aktiver Ehrenpräsident an allen Sitzungen des Stiftungsrates teil und bereicherte die Arbeit unseres Leitungsgremiums mit seiner Persönlichkeit.

Donat King bei der Arbeit an der Büste von Fritz Gerber. | donatking.com

Wir alle und ich ganz besonders sind Fritz Gerber in grosser Dankbarkeit verbunden. Mit seiner schier unendlichen Schaffenskraft, seiner herausragenden Begabung und seinen eindrücklichen Führungsfähigkeiten hat er viele Menschen geprägt. Dass dieses Lebenswerk dank seiner Stiftung noch lange in Erinnerung bleibt, ist uns Ansporn und Verpflichtung zugleich.


In unserer Geschäftsstelle steht eine Büste von Fritz Gerber, die ein von uns unterstützter junger Künstler vor einigen Jahren geschaffen hat. Sie wacht über unsere künftige Arbeit und erinnert uns an einen grossartigen Menschen.

Urs Lauffer

Leistungsbericht 2020

Das Jahr im Rückblick

Stiftungszweck

Bereits seit zweiundzwanzig Jahren fördert unsere Stiftung auf ausschliesslich gemeinnütziger Basis begabte junge Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz mit finanziellen Beiträgen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wir wollen dort helfen, wo für das Erreichen des Stiftungszwecks keine oder nicht ausreichende öffentliche Gelder zur Verfügung stehen. Dabei konzentrieren wir uns auf Einzelfallhilfe und unterstützen junge Menschen direkt mit einem finanziellen Beitrag. Unterstützungsberechtigt sind junge Menschen im Alter von 10 bis 25 Jahren. Wir prüfen Gesuche aus den Bereichen Schule (inkl. Fachhochschulen), Handwerk, Kultur und Sport. Anfragen von Gesuchstellern, die an einer Universität oder der ETH studieren, können wir leider nicht berücksichtigen. Die Geschäftsstelle wird seit Gründung der Stiftung von Lauffer & Frischknecht, Unternehmensberatung für Kommunikation, im Mandatsverhältnis geführt.

Bewilligte Gesuche und Aktivitäten

2020 hat der Stiftungsrat von 240 eingegangenen Gesuchen 104 (Vorjahr: 112) positiv beurteilt und dafür 1 489 000 Franken (2019: 1 476 000 Franken) bewilligt. Davon entfielen rund 27 % auf den Bereich Kunst, 51 % auf den Bereich Sport und 22 % auf die übrigen Bereiche (inkl. Hochbegabungen). 136 Gesuche mussten wir leider ablehnen.

Stiftungsrat

Der Stiftungsrat der Fritz-Gerber-Stiftung besteht aus 10 Mitgliedern. Diese werden jeweils auf zwei Jahre gewählt. Die derzeitige Amtsperiode läuft bis zum 31. Dezember 2022.

Der Stiftungsrat ist im Berichtsjahr zu drei Sitzungen zusammengekommen. Die Frühlingssitzung musste jedoch in Form einer Videokonferenz durchgeführt werden. Die anderen beiden Sitzungen konnten physisch in Zürich und Basel stattfinden. Im Zentrum dieser Sitzungen steht immer die Prüfung der einzelnen Anträge, die von der Geschäftsstelle vorgelegt werden. Darüber hinaus erörtert der Stiftungsrat die statutarischen Geschäfte (Jahresrechnung, Jahresbericht, Bericht der Revisionsstelle) und beurteilt den Erfolg unserer Hilfe. Der Stiftungsrat überprüft dabei sowohl die Effektivität, als Mass der Wirksamkeit unserer Arbeit, als auch die Effizienz, d. h. die Wirtschaftlichkeit des Mitteleinsatzes. Auf dieser Grundlage und anhand konkreter Einzelfälle passt der Stiftungsrat wenn nötig die Schwerpunkte unserer Stiftung an. Schliesslich beschäftigt sich der Stiftungsrat auch mit allen finanziellen Fragen (inkl. den Anlagerichtlinien, die regelmässig geprüft und angepasst werden) und überwacht die Tätigkeit unserer Geschäftsstelle.

Finanzen und Ausblick

Die Stiftung finanziert ihre Tätigkeit in erster Linie aus Vermögenserträgen. Im Berichtsjahr war dies schwierig. Immerhin konnte ein kleiner Wertschriftengewinn von 142 000 Franken erzielt werden. Dazu kamen Leid- und andere Spenden in Höhe von 1,2 Millionen Franken – auch an dieser Stelle herzlichen Dank für die grosszügigen Zuwendungen.


Per Jahresende resultierte daraus ein Organisationskapital von 30,6 Millionen Franken. Damit kann unsere Stiftung ihre Ausschüttungen im bisherigen Rahmen – also jeweils zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Franken – in den nächsten Jahren fortsetzen.

Rechnungslegung

Seit 2005 wenden wir für die Jahresrechnung unserer Stiftung die Kriterien von Swiss GAAP FER 21 an. Diese Rechnungslegung wurde speziell für gemeinnützige Organisationen geschaffen, um eine hohe Transparenz zu gewährleisten.

Im Namen der Geschäftsstelle danke ich allen sehr herzlich, die unsere Arbeit möglich machen und uns bei unserer Tätigkeit unterstützen.

Stéphanie Ramel

Kennzahlen in CHF

Unterstützungsbeiträge
2020            1 489 000 CHF
2019            1 476 000 CHF

Organisationskapital
2020            30 668 000 CHF
2019            31 095 000 CHF

Insgesamt hat die Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 1998 bisher 28,4 Millionen Franken an Unterstützungsbeiträgen geleistet.

Einsatz und Kreativität

Geschichten von unterstützten Talenten

Lockdown und Aufbau.

Trotz Corona-Tiefschlägen, macht Sara weiter und baut ein Musikstudio.

Sara J. Ben Ali

Der Blick eines Illustrators.

Jan Zbinden setzt sich stark mit der wissenschaftlichen/illustrativen Sichtweise seiner Umgebung auseinander.

Jan Zbinden

Sportklettern, dieses Jahr etwas anders.

Trotz fehlenden Wettkämpfen engagiert sich Anne-Sophie Koller in ihrem Bereich, baut eine Kletterhalle und erkundet die Schweizer Felsen im Freien.

Anne-Sophie Koller

«King of the Court»

Auch Florian Breer, Beachvolleyballer, wurde von der Covid-19-Pandemie entscheidend ausgebremst. Trotzdem war er mit seinem neuen Teamkollegen erfolgreich.

Florian Breer
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