Geschäftsbericht 2019

Inhalt

Zwischen Konstanz und Wandel
Vorwort des Präsidenten
Wenn der Schwinger auf den Schachspieler trifft …
Team Heinzer
Leistungsbericht
Das Jahr im Rückblick
Vom Tanzen, der Kunst und dem Sport
Geschichten von unterstützten Talenten
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Zwischen Konstanz und Wandel

Vorwort des Präsidenten

Urs Lauffer, Präsident des Stiftungsrates

Wir dürfen auf ein erfolgreiches einundzwanzigstes Jahr in unserer Stiftungsarbeit zurückblicken. Einmal mehr hatten wir das Privileg, über hundert besonders begabte junge Menschen aus allen Landesteilen der Schweiz kennenzulernen und ihnen anspruchsvolle Ausbildungswege zu ermöglichen. Seit Gründung unserer Stiftung haben wir dafür bisher rund 27 Millionen Franken eingesetzt. In all diesen Jahren haben wir damit dort geholfen, wo für die Förderung begabter junger Menschen keine oder nicht ausreichende öffentliche Gelder zur Verfügung stehen. Die Konstanz unserer Arbeit basiert bis heute auf klaren Kriterien: Entscheidend ist die besondere Begabung der Gesuchstellerin oder des Gesuchstellers.

Wir konzentrieren uns dabei auf junge Menschen im Alter zwischen zehn und fünfundzwanzig Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz. Ich will hinzufügen, dass es uns als private Förderstiftung möglich ist, gelegentlich auch Ausnahmen zu machen. So kommt es immer mal wieder vor, dass wir Hochbegabungen schon vor dem Erreichen der unteren Altersgrenze unterstützen. Die Tätigkeit unserer Stiftung ist aber auch auf andere Weise von Konstanz geprägt: Stéphanie Ramel leitet seit 16 Jahren professionell und engagiert unsere Geschäftsstelle, Fritz Frischknecht, der für unsere Finanzen zuständig ist, ist seit der Gründung der Stiftung mit dabei und auch Max Heinzer, unser Bereichsleiter Sport, steht uns bereits seit 6 Jahren zur Verfügung.


Bei aller Konstanz ergibt sich natürlich auch Neues. Sei es, dass eine besondere Begabung an uns herangetragen wird, mit der wir bisher noch nie zu tun hatten – das gilt insbesondere für den Bereich Sport, aber auch für das Spielen seltener Musikinstrumente. Aber vor allem ist es die bemerkenswerte Entwicklung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die wir mit unserer Stiftung fördern, die jedes Mal neu und anders ist. Haben doch alle ihren eigenen Charakter, eine eigene Geschichte und eine eigene Ausprägung der Begabung. Genau das macht es so faszinierend, diese jungen Menschen über eine kürzere oder längere Zeit auf ihrem anspruchsvollen Lebensweg begleiten zu dürfen.


Zwischen Konstanz und Wandel befindet sich seit Anfang des Jahres unser Stiftungsrat, wird er doch in diesem Jahr zum ersten Mal in neuer Besetzung zusammenkommen.


Unser Ehrenpräsident Fritz Gerber, unsere Vizepräsidentin Renate Gerber, Felix Gutzwiller und ich selbst sind seit Anbeginn dabei. Über eine lange Zeit aktiv und mit grosser Kompetenz in unserem Leitungsgremium mitgewirkt haben auch die drei Mitglieder, die per Ende 2019 zurückgetreten sind: Christine Beerli, René Braginsky und Bruno Gehrig. Christine Beerli gehörte dem Stiftungsrat zwanzig Jahre lang an und hat in dieser Zeit immer wieder wertvolle Impulse für unsere Arbeit gegeben. Als langjährige Ständerätin, Direktorin einer Fachhochschule und Vizepräsidentin des IKRK brachte sie grosses Verständnis für die Anliegen unserer Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller auf.


Der Unternehmer und Mäzen René Braginsky hat seine grosse Erfahrung aus seiner eigenen Familienstiftung in unsere Arbeit einfliessen lassen und sich zudem grosse Verdienste bei der Vermehrung des Stiftungsvermögens erworben. Prof. Bruno Gehrig konnte als erfolgreicher Unternehmensführer in der Arbeit unseres Gremiums wichtige Akzente setzen. Sein kompetenter Rat, auch bei der Beurteilung der einzelnen Gesuche, war stets eine Bereicherung. Wir sind dankbar, dass mit Regula Gerber, Stephan Howeg und Urs Rohner drei Persönlichkeiten neu im Stiftungsrat Einsitz genommen haben, die unser Gremium mit ihren fundierten beruflichen Erfahrungen und menschlichen Qualitäten gut ergänzen werden. Zum Abschluss möchte ich den Blick auf unser Stiftungsvermögen richten, war doch die Lage auf den Finanzmärkten in den letzten Jahren anspruchsvoll. Umso erfreulicher ist das sehr gute Finanzergebnis, das wir 2019 erzielen konnten. Entscheidend, dass unser Stiftungskapital per Ende des Berichtsjahres wieder deutlich über 30 Millionen Franken lag, war aber die erneute substanzielle Spende von Fritz Gerber, die unsere Stiftung mit grosser Dankbarkeit entgegennehmen konnte. Wir verfügen darum über beste Voraussetzungen, unsere Arbeit erfolgreich fortsetzen zu können!

Urs Lauffer

Wenn der Schwinger auf den
Schachspieler trifft …

Team Heinzer

Von 2010–2015 unterstützte unsere Stiftung den Spitzenfechter Max Heinzer. Vor sechs Jahren wechselte Max Heinzer die Seite und unterstützt seitdem die Fritz-Gerber-Stiftung mit einem kleinen Teilzeitpensum als Bereichsleiter Sport.

v. l. n. r: Jason Joseph, Hürdenläufer / Angelica Moser, Stabhochspringerin / Max Heinzer, Fechter / Marco Odermatt, Skifahrer / Aline Danioth, Skifahrerin / Nalani Buob, Rollstuhltennis-Spielerin / Géraldine Ruckstuhl, Siebenkämpferin / Joel Wicki, Schwinger / Noël Studer, Schachspieler / Henji Mboyo, Kunstturner

2017 hatte er eine Idee, die den Stiftungsrat überzeugte: Er wollte ein Team mit 10 besonders begabten jungen Sportlerinnen und Sport-lern gründen, die eine spezielle Unterstützung und die Gelegenheit zu einem Austausch erhalten. Jedes Teammitglied erhält mindestens eine dreijährige Förderung von 20 000 Franken pro Jahr.


Diese soll sicherstellen, dass sich die Sportlerinnen und Sportler ganz auf ihre Trainings und Wettkämpfe konzentrieren können. Innerhalb des Teams wird mittels einer WhatsApp-Gruppe ein reger Austausch gepflegt, der für die Beteiligten darum so interessant ist, weil sie Einblicke in ganz unterschiedliche Sportarten und Lebenssituationen erhalten. Und natürlich bringt Max Heinzer seine grosse Erfahrung als vielfacher Medaillengewinner an Grossanlässen und als Rekordweltcupsieger im Degenfechten ein. Seit 2017 ist die Gruppe von 5 auf 9 Teammitglieder angewachsen.


Einmal pro Jahr trifft sich das «Team Heinzer» mit unserer Geschäftsstelle zu einem gemeinsamen Anlass mit einem besonderen Sportevent. 2019 stand Rollstuhltennis auf dem Programm, da wir Anfang des Jahres die Rollstuhl-Spitzensportlerin Nalani Buob ins Team aufgenommen hatten. Ebenfalls zum ersten Mal dabei war Jason Joseph, Junioren-Europameister über 110 m Hürden.

Nach dem sportlichen Teil trafen sich alle zu einem gemeinsamen Nachtessen. Im Zentrum stand dabei der Gedankenaustausch über alle Disziplinen hinweg. So konnte der Schachspieler Noël Studer mit dem Schwingerstar Joel Wicki über doch sehr unterschiedliche Wettkampfvorbereitungen sprechen …
Die grossartigen Erfolge, welche die Sportlerinnen und Sportler des «Team Heinzer» in den vergangenen drei Jahren erzielen konnten, zeigen, dass wir mit dieser besonderen Förderung auf dem richtigen Weg sind.

Leistungsbericht 2019

Das Jahr im Rückblick

Nach über 20 Jahren haben wir uns entschieden, unsere Website und unser Stiftungslogo einer jungen, dynamischen und vor allem digitalen Welt anzupassen. In einer Ausschreibung wurde die Neugestaltung unter den von uns unterstützen Grafikdesignerinnen und Grafikdesignern ausgeschrieben. Der Entscheid fiel uns nicht leicht, denn wir erhielten viele kreative Entwürfe.

Am Ende entschieden wir uns für den Entwurf des jungen Grafikdesigners Raffaele De Giovanni (www.deraffaele.ch), der von 2012 bis 2015 seine Ausbildung zum Grafiker an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich absolvierte. Mit unserer finanziellen Unterstützung konnte er damals einen Teil seiner Schulgebühren begleichen. Es freut uns sehr, dass wir Sie nun mit diesem Bericht und auf unserer neu gestalteten Website (www.fritz-gerber-stiftung.ch) an seinen grafischen Ideen teilhaben lassen können.

Unser Geschäftsbericht wird nur noch in einer kleinen Auflage gedruckt. Er kann neu bequem auf unserer Website als PDF heruntergeladen werden. Ob Smartphone, Tablet oder PC – probieren Sie es aus. So leisten wir neben der Unterstützung zugunsten begabter junger Menschen auch einen kleinen Beitrag an unsere Umwelt.

Stiftungszweck

Bereits seit einundzwanzig Jahren fördert unsere Stiftung auf ausschliesslich gemeinnütziger Basis begabte junge Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz mit finanziellen Beiträgen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wir wollen dort helfen, wo für das Erreichen des Stiftungszwecks keine oder nicht ausreichende öffentliche Gelder zur Verfügung stehen. Dabei konzentrieren wir uns auf Einzelfallhilfe und unterstützen junge Menschen direkt mit einem finanziellen Beitrag. Unterstützungsberechtigt sind junge Menschen im Alter von 10 bis 25 Jahren. Wir prüfen Gesuche aus den Bereichen Schule (inkl. Fachhochschulen), Handwerk, Kultur und Sport. Anfragen von Gesuchstellern, die an einer Universität oder der ETH studieren, können wir leider nicht berücksichtigen.

Die Geschäftsstelle wird seit Gründung der Stiftung von Lauffer & Frischknecht, Unternehmensberatung für Kommunikation, im Mandatsverhältnis geführt.

Bewilligte Gesuche und Aktivitäten

2019 hat der Stiftungsrat von 254 eingegangenen Gesuchen 112 (Vorjahr: 103) positiv beurteilt und dafür 1 476 000 Franken (2018: 1 396 000 Franken) bewilligt. Davon entfielen rund 29 % auf den Bereich Kunst, 50 % auf den Bereich Sport und 21 % auf die übrigen Bereiche (inkl. Hochbegabungen). 142 Gesuche mussten wir leider ablehnen.

Am 8. September 2019 fand im KKL in Luzern bereits die fünfte Preisverleihung des Fritz-Gerber-Awards statt. Wir freuen uns, dass sich unser Award für besonders begabte junge Musikerinnen und Musiker im Bereich der zeitgenössischen Musik gut etabliert hat. Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Website.

Der Stiftungsrat

Der Stiftungsrat der Fritz-Gerber-Stiftung besteht aus 10 Mitgliedern. Diese werden jeweils auf zwei Jahre gewählt. Die derzeitige Amtsperiode läuft bis zum 31. Dezember 2020. Christine Beerli, René Braginsky und Prof. Dr. Bruno Gehrig sind per 31. Dezember 2019 nach langjähriger Tätigkeit aus dem Stiftungsrat ausgeschieden. Per 1. Januar 2020 sind Regula Gerber, Stephan Howeg und Urs Rohner in den Stiftungsrat gewählt worden. Urs Lauffer wirkt seit dem 1. Januar 2005 als Präsident.

Der Stiftungsrat ist im Berichtsjahr zu drei Sitzungen zusammengekommen. Im Zentrum dieser Sitzungen steht immer die Prüfung der einzelnen Anträge, die von der Geschäftsstelle vorgelegt werden. Darüber hinaus erörtert der Stiftungsrat die statutarischen Geschäfte (Jahresrechnung, Jahresbericht, Bericht der Revisionsstelle) und beurteilt den Erfolg unserer Hilfe. Der Stiftungsrat überprüft dabei sowohl die Effektivität, als Mass der Wirksamkeit unserer Arbeit, als auch die Effizienz, d. h. die Wirtschaftlichkeit des Mitteleinsatzes. Auf dieser Grundlage und anhand konkreter Einzelfälle passt der Stiftungsrat wenn nötig die Schwerpunkte unserer Stiftung an. Schliesslich beschäftigt sich der Stiftungsrat auch mit allen finanziellen Fragen (inkl. den Anlagerichtlinien, die regelmässig geprüft und angepasst werden) und überwacht die Tätigkeit unserer Geschäftsstelle.

Kommentar und Ausblick

Private Stiftungen sind für die Förderung von Hochbegabten unverändert wichtig. Besonders talentierte junge Menschen und ihre Familien sind auf die Unterstützung privater Institutionen oder Einzelpersonen angewiesen. Dieses zivilgesellschaftliche Engage-ment kann aber die Zurückhaltung der Kantone und Gemeinden in diesem Bereich nur ansatzweise ausgleichen, sind doch – wie auch in unserem Fall – die finanziellen Möglichkeiten der Förderstiftungen beschränkt.

Die Stiftung finanziert ihre Tätigkeit in der Regel aus Vermögenserträgen. Im Berichtsjahr profitierte die Stiftung von der positiven Entwicklung an der Börse und realisierte einen Finanzgewinn von über 2,1 Millionen Franken. Ungeachtet dieser erfreulichen Entwicklung verdanken wir aber Fritz Gerber, unserem Stifter, den Löwenanteil unserer positiven Erfolgsrechnung: Anlässlich seines 90. Geburtstages spendete er weitere 5 Millionen Franken an das Organisationskapital seiner Stiftung. Auch an dieser Stelle möchten wir uns für diese äusserst grosszügige Spende nochmals ganz herzlich bedanken. Insgesamt schloss die Erfolgsrechnung mit einem Gewinn von 5 320 000 Franken ab. Das Organisationskapital erhöhte sich damit auf 31,1 Millionen Franken.

Unsere Stiftung kann deshalb ihre Ausschüttungen im bisherigen Rahmen – also zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Franken pro Jahr – noch lange fortsetzen.

Rechnungslegung

Seit 2005 wenden wir für die Jahresrechnung unserer Stiftung die Kriterien von Swiss GAAP FER 21 an. Diese Rechnungslegung wurde speziell für gemeinnützige Organisationen geschaffen, um eine hohe Transparenz zu gewährleisten.

Im Namen der Geschäftsstelle danke ich allen sehr herzlich, die unsere Arbeit möglich machen und uns bei unserer Tätigkeit unterstützen.

Stéphanie Ramel

Kennzahlen in CHF

Unterstützungsbeiträge
2019            1 476 000 CHF
2018            1 396 000 CHF

Organisationskapital
2019            31 095 000 CHF
2018            25 695 000 CHF

Insgesamt hat die Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 1998 rund 27 Millionen Franken an Unterstützungsbeiträgen geleistet.

Vom Tanzen, der Kunst und dem Sport

Geschichten von unterstützten Talenten

Allrounder

Jonas Hasler begeistert mit Höhenflügen in der Halfpipe und am Barren und erklärt, wieso die unkonventionelle Kombination von Snowboarden und Kunstturnen die perfekte Balance für ihn ist.

Jonas Hasler

«Joie du vivre»

Aline Julie Hubschmid erzählt von ihrer Inspiration und der Umsetzung ihrer künstlerischen Visionen an der Kunstakademie Düsseldorf.

Aline Julie Hubschmid

Voller Schwung

Mit Rhythmus und Taktgefühl tanzte sich Davide Corrodi an die Weltmeisterschaften. Der Tanzsport-Athlet erzählt von seinen weiteren Zielen für die Zukunft.

Davide Corrodi

Nadel und Faden

Tabea Bolliger wollte ihre Leidenschaft fürs Basteln im Beruf als Theaterschneiderin ausleben können. Heute gehören Hosen zerfetzen und Bäuche aus Schaumstoff formen zu ihrem Alltag.

Tabea Bolliger
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