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Swiss Paralympic/Gabriel Monnet

Von Baar 2011 – 10 Jahre später – nach Tokio 2021

Nalani Buob
Rollstuhltennis

Baar – 2011

Als kleines, scheues 10-jähriges Mädchen fing ich mit dem Rollstuhltennis an. Damals war ich in der 5. Klasse und versuchte mich gerade so durch die Schule zu kämpfen. Sport zu treiben, erdachte ich als gar nicht möglich für eine Person im Rollstuhl. Ich wuchs mit Fussgängern auf und sah nie ein Kind im Rollstuhl. Damals dachte ich, dass ich die einzige Person auf der Welt im Rollstuhl bin und nie so grossartige Sachen werde machen können wie andere in meinem Alter – bzw. auch später in meinem Leben nicht. Darüber kann ich heute nur noch lachen. Mit meinen 21 Jahren habe ich bestimmt tollere Sachen gemacht als andere in meinem Alter. Was nicht heissen soll, dass andere nichts Grossartiges erlebt haben, aber Rollstuhltennis werden sie nie spielen können. Und das finde ich richtig cool: dass ich etwas kann, was viele nicht können und nie erleben werden. 

Wie gesagt war ich damals ein scheues 10-jähriges Mädchen, auf die Eltern angewiesen und im Vergleich zu heute – unselbstständig.

Genau bei der Veränderung dieser Einstellung wollte mir mein Lehrer in der 5. Klasse, Marcel Boss, helfen. Er suchte im Internet nach Sportangeboten für Kinder im Rollstuhl und fand Rollstuhltennis – meine heutige Passion. Damals, noch in den Anfängen der Pubertät, sträubte ich mich ungeheuerlich zum ersten Schnuppertraining zu fahren, um einen Start zu wagen. Meine Mutter überzeugte mich zum Glück und so fuhren wir zu zweit mit dem Zug zum Training nach Cham. Später sollte ich dies dann allein hinkriegen. Der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit war getan.


Love at first sight

Nach dem ersten Kontakt mit Ball und Schläger war es um mich geschehen. Danach verpasste ich kein Training mehr bei Thomas Waltenspühl. Damals war diese Zugfahrt eine halbe Weltreise. Mittlerweile ist diese kurze Strecke für mich nichts, denn heute reise ich mit dem Flugzeug selbstständig um die Welt und gehe meiner Passion nach, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, und von der scheuen Nalani ist in dieser Hinsicht nichts mehr zu spüren.


Zehn Jahre später – 2021

In einer Stunde geht es für mich zum Flughafen Zürich, wo ich um 22:40 den Flug nach Tokio antreten werde. Zwölf Stunden Zeit, um zu realisieren, dass ich es tatsächlich an die paralympischen Spiele geschafft habe. Ob ich dies wirklich realisieren werde? Ich glaube nicht …
Als ich erfuhr, dass ich den Traum der 11-jährigen Nalani erfüllen werde, flossen bei mir die Tränen (so auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen). Ich freue mich ungemein auf diese Erfahrung und verspreche mir, alles einfach zu geniessen – egal, welches Resultat dann am Ende entsteht.


September 2021 – zurück in der Schweiz

Ich bin auf den Platz gegangen und habe mein bestes Tennis gezeigt. Leider bin ich im Achtelfinale ausgeschieden. Trotzdem ist es mein bestes Tennis gewesen. Hätte ich einige Punktabschlüsse besser gespielt, hätte es ganz anders ausgehen können. Mit diesem Wissen und einer reichlichen Portion an Erfahrung bin ich wenige Tage später ins Flugzeug gestiegen und zurück nach Zürich geflogen. Jetzt kann ich es kaum erwarten, in Paris 2024 ein noch besseres Tennis und eine noch bessere Nalani zu präsentieren.

Nalani Buob
Dezember 2021
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«Ein Athlet ist nur so gut wie sein Team»

ETH Studentin und Schweizer Meisterin. So meistert Alessandra Keller die Kombination von Studium und Spitzensport.

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Der Blick eines Illustrators.

Jan Zbinden setzt sich stark mit der wissenschaftlichen/illustrativen Sichtweise seiner Umgebung auseinander.

Jan Zbinden