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Das dritte Semester des Studienganges «Illustration Nonfiction» an der Hochschule Luzern ist für mich besonders intensiv und vielseitig.

Jan Zbinden
Illustrations-Student

Das dritte Semester des Studienganges «Illustration Nonfiction» an der Hochschule Luzern ist für mich besonders intensiv und vielseitig.

Das Semester startete bereits im August, weil ich an einem Fachmodul teilnehmen konnte, das oberhalb des Monte Verità in Arcegno stattfand. Zusammen mit allen Kommilitonen des Studienganges konnte ich mich inmitten der Kastanienwälder des Tessins in die Pleinairmalerei (Freilichtmalerei) vertiefen. Da der Kurs als Einführung in die Ölmalerei gedacht war, wurde in erster Linie die Darstellung von Licht- und Schattenverhältnissen behandelt und das Augenmerk lag auf der Tonwertmalerei in Graustufen.  Das ermöglichte mir einen neuen, wachsameren Blick für das, was mich umgab und worin ich stand: das Licht, die Vegetation, die Farben und der Rhythmus des Ortes. Es war eine schöne Zeit voller neuer Erfahrungen, in der ich mich ganz auf die Arbeit mit dem Pinsel fokussieren konnte.

Anschliessend folgten mehrere Unterrichtssequenzen im Zoo Zürich. Wöchentlich verbrachte ich einen Tag vor den Gehegen der Tiere und übte mich im schnellen Skizzieren. Die sich bewegenden Tiere in ihrem Habitat zu zeichnen, hat meine analytische Beobachtungsgabe stark herausgefordert. Die Umsetzung des Gesehenen aus der Erinnerung heraus sollte das Vorstellungsvermögen schulen und den Blick auf das Wesentliche lenken. Die meiste Zeit verbrachte ich bei den Flachlandgorillas. Das Beobachten und Skizzieren gab mir auch den Anstoss, mich vertiefter mit der Primatenforschung auseinanderzusetzen, im Besonderen mit den Büchern von Jane Goodall, Frans de Waal, Dian Fossey und Biruté Galdikas. Ich wusste natürlich schon vorher von der Verwandtschaft zwischen den Flachlandgorillas und meiner Spezies, aber als ich lange diesen Tieren gegenübersass und ihnen zuschauen konnte, wie sie leben und sich verhalten, wurde diese Verwandtschaft auch spürbar und mir wirklich bewusst.

In einem weiteren Vertiefungsmodul konnte ich mich im November nochmals der Ölmalerei widmen und an einer Bilderserie mit Stillleben arbeiten. Hierbei standen nun Duktus (Pinselführung), Farbklänge und Bildkomposition im Zentrum und ich konnte viele kleinere impressionistische Malskizzen und einige ausgearbeitete Studien anfertigen.

Gegen Jahresende folgte ein Unterrichtsmodul bei Dr. h. c. Armin Coray, in dem ich mich mit der Schwarz-Weiss-Umsetzung in Tusche vertraut machen konnte. Diese traditionelle Form der wissenschaftlichen Zeichnung hat höchsten Ansprüchen von Forschern und Experten zu genügen. Gefordert war nicht nur eine hohe mentale Konzentration, sondern auch eine ruhige Hand und ein klares Verständnis über die zu illustrierenden botanischen Objekte. Das nächste Semester wird mit einem Modul über bewegte Bilder und Animation beginnen. Auf dieses Modul freue ich mich ganz besonders und bin mir sicher, dass es mir neue gestalterische Ansätze ermöglichen wird. Daneben hat natürlich die Coronavirus-Pandemie auch meinen Studienalltag ziemlich auf den Kopf gestellt. Zwar bin ich mittlerweile mit der Handhabung diverser Online-Meeting-Tools vertraut, doch der tägliche Kontakt mit Studierenden und Dozierenden fehlt mir. Das gemeinsame Lernen, der Austausch, das Beobachten von Herangehensweisen und Fortschritten anderer – das alles ist zurzeit nur sehr eingeschränkt möglich und nicht leicht zu ersetzen.

Dank der Fritz-Gerber-Stiftung konnte ich zusätzlich und trotz der Pandemie-Bestimmungen einen Sprachkurs, eine Vorlesung in Kunstgeschichte und Abendkurse im Aktzeichnen besuchen. An solchen Zusatzmodulen an Abenden oder Wochenenden könnte ich ohne finanzielle Unterstützung kaum teilnehmen.

Mein Pensum im Nachtdienst beim Luzerner Kantonsspital konnte ich inzwischen reduzieren und mich so noch stärker auf mein Studium der wissenschaftlichen Illustration fokussieren.

Ich bin der Fritz-Gerber-Stiftung sehr dankbar dafür, dass sie mir ein solch intensives Studium in diesem Bereich ermöglicht.

Jan Zbinden
Dezember 2020
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Der Blick eines Illustrators.

Jan Zbinden setzt sich stark mit der wissenschaftlichen/illustrativen Sichtweise seiner Umgebung auseinander.

Jan Zbinden

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