Bericht des geschäftsführenden Vizepräsidenten
Wann kann die Arbeit einer Stiftung im sozialen Bereich als erfolgreich beurteilt werden?
- Wenn es der Stiftung gelingt, sehr rasch nach der Gründung ihre operative Tätigkeit aufzunehmen und damit ihren Stiftungszweck zu erfüllen?
- Wenn sich ihre inhaltliche Zielsetzung – zum Beispiel aufgrund der eingehenden Gesuche – als sinnvoll und richtig erweist?
- Wenn sie – unbürokratisch und flexibel, aber nach klaren Kriterien – helfen, fördern und unterstützen kann?
Gemessen an diesen Kriterien dürfen der Start und das erste Geschäftsjahr der Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen ohne Zweifel als Erfolg gewertet werden. Seit wir im Frühling 1999 unsere Arbeit aufgenommen haben, konnten wir bereits über 60 jungen, begabten Menschen helfen, ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Manche, welche unsere Stiftung um finanzielle Unterstützung angegangen sind, waren – offensichtlich geprägt von früheren, eher problematischen Erfahrungen – überrascht, dass ihre Anfrage von uns ernst genommen und innert nützlicher Frist bearbeitet wurde. In der Regel konnten wir jedes Gesuch in vernünftiger Zeit bearbeiten – und dies trotz oder wohl eher wegen einer sehr sorgfältigen Prüfung. Bei allen Gesuchen, welche unsere grundsätzlichen Kriterien erfüllen, spricht die Geschäftsstelle nicht nur mit den Gesuchstellern, sondern auch mit deren Umfeld, d. h. mit den Eltern, den Lehrern, den Trainern und anderen Fachpersonen. Dadurch sind die Abklärungen aufwändiger. Es wird aber so die Voraussetzung erfüllt, dass der Stiftungsrat, der dreimal jährlich zusammentrifft, aufgrund von Fakten entscheidet und dass willkürliche Beurteilungen vermieden werden können. Natürlich hat niemand zwingend Anspruch auf Unterstützung durch unsere Stiftung; wir bemühen uns aber, in der Beurteilung der Gesuche fair und nachvollziehbar vorzugehen.
Unsere Unterstützung entspricht, das zeigt die Erfahrung aus den ersten Monaten, einem eindeutigen Bedürfnis. Wöchentlich erreichen uns rund fünf Gesuche. In vielen Fällen können wir rasch – manchmal auch mit sehr kleinen Beiträgen – Wesentliches auslösen und dadurch begabte junge Menschen wirklich fördern. Gerade mit Einmalbeiträgen können Wünsche verwirklicht werden, deren Erfüllung für die Betroffenen von grösster Bedeutung ist. Die Anschaffung eines PC, Beiträge an Instrumente oder Trainingsgeräte können entscheidend dafür sein, dass eine besondere Begabung überhaupt zum Tragen kommt und gezielt gefördert werden kann. Aber auch monatliche Beiträge an die zum Teil erheblichen Zusatzkosten, die den Eltern begabter Kinder und Jugendlicher erwachsen, können eine Initialwirkung erzielen.
Natürlich nehmen wir auch die Erfolgskontrolle sehr ernst. Wir stellen sicher, dass unsere Beiträge wirklich zweckgerichtet eingesetzt werden. Allerdings verzichten wir bewusst darauf, unsere Unterstützung mit leistungsabhängigen Bedingungen zu verknüpfen. Unsere Philosophie ist eindeutig: In vielen Fällen wird unsere Unterstützung dazu beitragen, dass begabte junge Menschen ihre Ziele erreichen; ob auf diesem Weg aber auch «Karrieren» entstehen, hängt von vielen Kriterien ab, auf die wir kaum Einfluss nehmen können und wollen. Wir wollen ermutigen, manche Träume verwirklichen, und erwarten, dass diejenigen, die wir unterstützen, das Beste aus unserer Hilfe machen. Trotzdem sprechen wir unsere Beiträge «à perdu»– und haben bisher erlebt, dass gerade dies junge Menschen besonders dazu anspornt, nicht nur sorgfältig mit dem anvertrauten Geld umzugehen, sondern von dieser Unterstützung ein Optimum für die eigene Aus- und Weiterbildung herauszuholen. Darüber freuen wir uns sehr.
Wir werden Mitte 2000, also nach gut einjähriger operativer Tätigkeit der Stiftung, unsere Kriterien einer genauen Beurteilung unterziehen und dort, wo es sinnvoll ist, den bisherigen Erfahrungen anpassen. Entscheidend ist, dass wir weiterhin flexibel auf ausgewiesene Gesuche reagieren wollen – dann erfüllt die Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen auch in Zukunft ihre Aufgabe.
Urs Lauffer
Vizepräsident des Stiftungsrates
Überblick über das Geschäftsjahr 1999
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