Bericht der Geschäftsstelle
Gewissermassen mit einem «Kaltstart» hatte die Fritz-Gerber-Stiftung ihr operatives Wirken im Frühjahr 1999 aufgenommen. Hinter diesem (renn-) sportlichen Vergleich stecken aber auch konkrete Zahlen. Bereits nach wenigen Wochen konnten die Stiftungsräte 25 Gesuche in befürwortendem Sinn verabschieden. Bis zum Abschluss des Geschäftsjahres 2000 wurden bereits rund 420 Gesuche eingereicht, wovon bisher über 160 als unterstützungswürdig befunden worden sind.
Diesen Beschlussfassungen ging jeweils eine detaillierte inhaltliche und materielle Prüfung voraus; Vermutung einer Begabung alleine kann nämlich nicht genügen. Die Geschäftsstelle orientierte sich bei der «Eingangskontrolle» an den im Stiftungsreglement verankerten Kriterien (Stiftungsziele und Stiftungszweck), wonach junge Leute im Alter zwischen zehn und 25 Jahren mit offensichtlicher Begabung in den Sparten Kultur, Handwerk, Sport oder Schule in den Genuss finanzieller Unterstützung kommen sollen. Unter Abstützung auf die klaren Rahmenbedingungen musste nach den Eingangsbegutachtungen daher auch eine stattliche Anzahl von Absagen erfolgen; nicht alle eingegangenen Gesuche konnten von der Substanz her den Ansprüchen und Vorstellungen unserer Stiftung genügen. Der Qualität der eingehenden Gesuche soll auch künftig wesentliche Bedeutung zukommen.
Das Verdikt «Ablehnung» konnte in einigen Fällen aber auch eine neue Chance bedeuten. In den vergangenen Monaten hat sich zwischen den Geschäftsstellen der Fritz-Gerber-Stiftung sowie artverwandten Stiftungen eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt, was wiederum mehrfach zur Folge hatte, dass einzelne Gesuchsteller, welche die Bedingungen der Fritz-Gerber-Stiftung (zum Beispiel Alter, Studium) nicht erfüllten, doch noch das wichtige finanzielle Fundament für eine Aus- oder Weiterbildung zugesichert erhielten.
Finanzielle und soziale Überlegungen wurden bei den der Detailabklärung zugeführten Gesuche angestellt und entsprechend gewichtet. Im Verlauf der bisherigen Tätigkeit der Fritz-Gerber-Stiftung gelang es uns, dank schnellem Agieren und geringen Umtrieben in gutem Tempo und unbürokratisch zu handfesten Entscheiden zu gelangen. Diese Form von unbürokratischem Agieren von Anfang an brachte für die Gesuchsteller gute Resultate, konnte vielen von ihnen doch innert kürzester Frist finanzielle Unterstützung zugesichert und gewährt werden.
Trotz effizienter Vorgehensweise hatte unser Anspruch auf hohe Qualität der Gesuche stets Priorität, ebenso die Konstanz bei den Beurteilungskriterien. So lässt sich heute ohne weiteres feststellen, dass es uns gelang, bei der Bearbeitung der Gesuche sowohl unbürokratisches Vorgehen zu wählen als auch unsere Ansprüche an die Qualität der Gesuche hochzuhalten. Damit konnte auch die Gefahr gebannt werden, die Stiftungsziele zugunsten einer ausschliesslich sozialen Betrachtensweise und Behandlung der Gesuche zu vernachlässigen oder gar in den Hintergrund zu rücken.
Als bedeutenden Aspekt im Rahmen der Tätigkeit der Geschäftsstelle der Fritz-Gerber-Stiftung nach der Bearbeitung der Gesuche sowie der Beschlussfassung erachten wir die direkte Erfolgskontrolle. Wir wollen bei der Erfolgskontrolle (mittels Zwischenberichten) oder bei der Nachkontrolle (mittels Schlussberichten) erfahren, welche Wirkung die gesprochenen Gelder erzielen konnten. Im Sinn einer Ausbildungsbilanz wollen wir von den Gesuchstellern regelmässig ein Fazit erhalten darüber, wie konkret die gesprochenen Gelder im Rahmen der geplanten Aus-, Weiter- oder Fortbildung eingesetzt worden sind und auch Wirkung erzielen konnten. Wir wollen aus diesen Berichten Aufschluss darüber erhalten, ob die Gelder zielgerichtet beziehungsweise zweckmässig verwendet und eingesetzt worden sind. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass so gute Bestandesaufnahmen möglich sind.
Die bisher erhaltenen Rückmeldungen und Reaktionen zeigen, dass der einzelne Gesuchsteller bezüglich wirksamer Hilfe ein differenziertes Verständnis hat - je nach Sparte und Ambitionen. Gute Wirkung ist beim einzelnen Gesuchsteller dann erzielt, wenn er eine positive Antwort auf die folgenden Fragen findet: Konnte ich eine Ausbildung trotz fehlender finanzieller Grundlage in Angriff nehmen, weiterführen oder zum Abschluss bringen? - Konnte ich ein Projekt, zum Beispiel eine Ausstellung als Maler, realisieren? - Konnte ich ein qualitativ gutes Instrument mieten und darauf in der nötigen Intensität üben, um die persönliche musikalische Weiterentwicklung ideal voranzutreiben? - Konnte ich dank der zugesprochenen Gelder einen Kurs besuchen, der meiner persönlichen Weiterbildung diente? - Konnte ich neben der schulischen oder beruflichen Ausbildung jene Zeit für eine sportliche Disziplin einsetzen, die eine Leistungssteigerung oder die Entfaltung des Talents begünstigen würde?
Einerseits ist es uns im Rahmen der Erfolgskontrolle bestimmt wichtig, konkrete Resultate und Fortschritte zu sehen, andererseits kann es bei der Erfolgskontrolle nicht darum gehen, dass die Gesuchsteller den Nachweis erbringen müssen, in ihrer Sparte auch wirklich auf dem Weg zu einer Traumkarriere zu sein. Ob nun der Durchbruch als Sängerin oder Musikerin, als Tänzer oder Sportler geschafft wird, hängt von vielen zusätzlichen Faktoren ab, welche die Fritz-Gerber-Stiftung nicht beeinflussen kann und will.
Marcel Vollenweider
Geschäftsführer
Überblick über das Geschäftsjahr 2000
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