Max Heinzer - Randsportart Fechten
Mit fünf Jahren habe ich in der Fechtgesellschaft Küssnacht (SZ) zum ersten Mal an einem Fechttraining teilgenommen. Bereits nach diesem ersten Kontakt mit dem Degen war ich vom Fecht-Virus befallen. Mein älterer Bruder focht damals nach einem Schnupperkurs, welcher in der Zeitung ausgeschrieben war, schon zwei Jahre. Meine Familie hatte zuvor noch nichts mit Fechten zu tun. Wäre also kein Fechtclub in unserer Nähe gewesen, hätte ich diese Sportart nie kennen gelernt. Im Kindergarten, sowie während der ganzen Schulzeit war ich immer der einzige Fechter in meiner Klasse. Dies war toll für mich, ich fühlte mich speziell und einzigartig. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob meine Mitschüler Interesse gezeigt hatten an meinen ersten Medaillen, welche ich in die Primarschule mitbrachte. Jedenfalls gaben mir meine Erfolge im Fechten damals enormes Selbstwertgefühl.
Mit 11 Jahren hatte ich bereits keine ernsthaften Gegner mehr in Küssnacht. Daher besuchte ich zweimal wöchentlich ein Training in Zürich, um stärkere Sparringpartner zu treffen. In der Schweiz hatten Turniere in meiner damaligen Altersklasse gerade etwa 30 bis 40 Teilnehmer, so fuhren wir öfters ins nahe Ausland an Turniere mit bis zu 200 Fechtern. Mein grosses Ziel war zu dieser Zeit die Teilnahme an einer Junioren-Weltmeisterschaft. Dafür musste ich pro Jahr an rund 10 Weltcup-Turnieren in Europa teilnehmen, um eine Qualifikationschance zu haben.
Meine Eltern finanzierten alle Reisen. Mein erstes Preisgeld gewann ich an einem Junioren-Weltcupturnier in Osnabrück. Für den 3. Platz von über 200 Teilnehmern gewann ich 40 Euro. Das Startgeld betrug 20 Euro, die Unterkunft, Zugfahrt und Materialkosten ein Mehrfaches davon.
Nach erfolgreicher WM-Qualifikation mussten sich alle Schweizer Athleten mit Fr. 800.- an den Kosten nach Südkorea beteiligen. 2004 entschied ich mich, eine persönliche Homepage zu erstellen, um mein näheres Umfeld laufend über meine Turniere zu informieren und um Sponsoren eine Werbefläche präsentieren zu können. Mit der Raiffeisenbank am Rigi, dem Swiss Holiday Park und der InterCheese AG unterstützen mich drei Zentralschweizer Firmen schon länger. So konnte ich bisher meine Materialkosten und die meisten Hotelunterkünfte an Turnieren finanzieren. Nach bestandener Matura 2006 konnte ich mich dank der Spitzensport-RS für ein Jahr voll und ganz auf das Fechten konzentrieren. In dieser Zeit gewann ich zwei Junioren-Weltcup-Turniere und war 18 Wochen lang Leader im Gesamtweltcup.
Im Herbst 2007 begann ich mein Studium an der Universität Basel. Den Bachelor in Sportwissenschaften habe ich nach drei Jahren erreicht. Es war eine sehr stressige Zeit mit bis zu 30 Stunden Uni pro Woche und täglich 1 bis 2 Fechttrainings. Trotz dieser Belastung konnte ich mich nach dem Wechsel von den Junioren zur Elite sogleich auf den vordersten Plätzen der nationalen Rangliste etablieren. Noch während des Studiums erreichte ich in Lissabon meinen ersten Weltcup-Sieg.
Meinen Entscheid, dass ich nach dem Bachelor-Abschluss alles auf die Karte Fechten setzen werde, stand schon länger fest. Ich wollte mir im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 optimale Trainingsbedingungen sichern. Deshalb suchte ich nach weiteren Sponsoren. Der optimale Zeitpunkt – so dachte ich – war direkt nach meinem ersten Weltcup-Sieg in Lissabon 2010. 70 Dossiers verschickte ich an Schweizer Firmen, zusätzlich gründete ich im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 einen Gönnerverein. Leider war das Interesse recht bescheiden. Neben einem Gönnerbeitritt musste ich 43 Absagen entgegennehmen. Die restlichen Dossiers blieben unbeantwortet.
Diesen Sommer kam ich erstmals unter die Top 10 der Welt. Mit der Unterstützung ging es auch aufwärts. Neu bin ich im Projekt von Swisscom, den Golden Talents, und vom Militär werde ich mit einer 50-%-Stelle als Spitzensportler-Zeitsoldat unterstützt. Nicht zuletzt dank der Unterstützung der Fritz-Gerber-Stiftung kann ich mich jetzt wirklich zu 100 % auf den Sport konzentrieren.
Überblick über das Geschäftsjahr
2010
Leistungsbericht 2010
Auszüge aus Dankschreiben
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