Wirkungsvolle Ergänzung zu den Leistungen des Staates

Als mich Fritz Gerber im Dezember 1998 fragte, ob ich bereit sei, in der geplanten Stiftung für begabte junge Menschen mitzuwirken, war mir nicht voll bewusst, was meine Zusage bewirken wird. Wie alle anderen Mitglieder des Stiftungsrates engagierte ich mich von Anfang an für die Förderung der Begabten. Das Resultat nach drei Jahren übertrifft alle Erwartungen.

Der Erfolg der Fritz Gerber-Stiftung kann nach meiner Ansicht wie folgt erklärt werden:

Lücken in der Bildungsfinanzierung

Die Schweiz verfügt über ein sehr erfolgreiches Bildungssystem, von der Primar- über die Sekundar- bis zur Tertiärstufe. Die Schulen werden fast ausschliesslich vom Staat getragen und finanziert. Die private Bildung spielt in der Schweiz im Gegensatz zu den angelsächsischen Länder eine untergeordnete Rolle. Auch wenn kürzlich in einer internationalen Vergleichsstudie gewisse Mängel aufgezeigt wurden, stehen wir nach wie vor mit unserem Bildungswesen in den vordersten Rängen. In diesem vom Staat dominierten System wird auch die Förderung der Begabten und der Schwachen als Aufgabe des Staates betrachtet, wie auch die Gewährung von Stipendien und Studiendarlehen primär dem Staat zufällt. In den letzten Jahrzehnten ist viel zur Unterstützung der Schwächeren unternommen worden, was nach Ansicht von einzelnen Fachleuten zur Senkung des Niveaus beigetragen hat. Zur Förderung der Begabten jedoch standen wenig Mittel zur Verfügung.

Die von Fritz Gerber gegründete Stiftung ist ein Glücksfall. Sie erfüllt auf privater Basis eine wichtige Aufgabe, die Förderung Begabter im nicht-universitären Bereich und ergänzt damit die zum Teil nicht bestehenden Leistungen des Staates.

Grosszügige Unterstützung

Das bedeutende Vermögen der Stiftung und die hohen Finanzerträge ermöglichen es dem Stiftungsrat, Bewerberinnen und Bewerber, deren Gesuche begründet sind und den Richtlinien der Stiftung entsprechen, grosszügig zu unterstützen. Der grössere Teil des Finanzertrages (über 80%) wird für Unterstützungsbeiträge eingesetzt, der Personal- und Verwaltungsaufwand der Stiftung ist gering.

Speditive und unkomplizierte Behandlung der Gesuche

Der Stiftungsrat tagt normalerweise drei Mal pro Jahr. Ich staune immer wieder, wie es uns gelingt, in relativ kurzer Zeit die vielen eingetroffenen Gesuche zu behandeln und die Entscheide zu treffen. Die speditive Arbeit ist möglich dank der guten Vorarbeit der Geschäftsstelle, die alle für den Entscheid notwendigen Abklärungen vorher durchführt und auf Fragen kompetent Auskunft erteilen kann. Dringliche Gesuche, die im Zeitraum zwischen zwei Sitzungen eintreffen, können vom Präsidenten zusammen mit dem Vizepräsidenten behandelt werden, der Entscheid wird an der nächsten Sitzung dem Stiftungsrat vorgelegt. Diese Arbeitsweise erlaubt es uns, eine den Bedürfnissen der Gesuchsteller angepasste Begabtenförderung zu betreiben.

Gesprächs- und Entscheidkultur

Was in diesem Stiftungsrat besonders auffällt, ist die besondere Gesprächs- und Entscheidkultur. Es ist Fritz Gerber gelungen, in kurzer Zeit die Mitglieder zu einem Team zu formen, das zwar offen und heftig über einzelne Gesuche diskutiert und auch unterschiedliche Auffassungen  vertritt, aber immer wieder im Konsens die richtigen Entscheide trifft. Das ist für ein solches Gremium mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht selbstverständlich.

Die vier angeführten Gründe für den Erfolg der Stiftung stehen in sehr engem Zusammenhang mit der Person des Stifters. Er hatte die Idee, er hat die Mittel für die Gründung zur Verfügung gestellt, er setzt sich selber ein für grosszügige Unterstützung Begabter, er schätzt die speditive und unkomplizierte Erledigung der eingegangenen Gesuche und er pflegt und hegt die besondere Gesprächskultur.

Alle, die jungen begabten Menschen, die von der Stiftung gefördert werden, die Mitglieder des Stiftungsrates und die Geschäftstelle sind Fritz Gerber sehr dankbar für das Werk, das er mit seiner Stiftung geschaffen hat.

Fred Haenssler
Stiftungsrat

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