Umfassende Förderung

Seit über drei Jahren darf ich im Rahmen der Fördertätigkeit der Fritz-Gerber-Stiftung mitwirken. Ich hatte damals mit Freude zugesagt, denn die Grundidee der Stiftung, begabte junge Menschen finanziell zu unterstützen, hatte mich sofort fasziniert.  Gewiss  erachte ich es als wichtig, auch leistungsschwächere junge Menschen und solche mit Lernproblemen auch in den öffentlichen Schulen nach Kräften zu unterstützen. Umgekehrt sollte es aber auch möglich sein, besondere Begabungen speziell zu fördern – und genau hier springt die Fritz-Gerber-Stiftung ein. Bei der Behandlung der vielen, interessanten Gesuche um Unterstützung fällt mir zudem immer wieder auf, wie sehr Gesundheit, Wohlbefinden und Bildung bzw. Förderung von Begabung ineinander verzahnt sind. Bildungsinvestitionen in der ganzen Breite sind damit nicht zuletzt auch Investitionen in die Gesundheit der Bevölkerung. Dies wird bei der Diskussion um die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen oft vergessen.

1. Qualität der Grundstufe in der Schule

Im vergangenen Jahr war auch die so genannte PISA-Studie ein grosses, viel diskutiertes Thema. Das schlechte Abschneiden der Schweizer Schüler in dieser Studie hat eine breite Debatte ausgelöst. Die Frage nach der Qualität unserer Schulen ist damit gestellt. Sicher könnten moderne Konzepte wie etwa die Ausweitung des Kindergartens zu einer eigentlichen Grundstufe Verbesserungen bringen. In einer solchen  Grundstufe  wäre eine differenzierte Pädagogik möglich, und mit individueller Förderung könnte der Entwicklung der Kinder besser Rechnung getragen werden. So stellen unsere Entwicklungspädagogen fest, dass sich Kinder dann am besten entwickeln, wenn sie umfassend gefördert werden. Alle Entwicklungsbereiche eines Kindes sollen dabei einbezogen werden. So könnten früh günstige Voraussetzungen für die Entwicklung der Kinder in diesem Land geschaffen werden.

Als bedeutende Ergänzung zu den qualitativ hoch stehenden Leistungen des Staates im Bildungssystem für alle braucht es dann Einrichtungen wie die Fritz-Gerber-Stiftung, die gezielt spezifische Begabungen fördern können.

2. Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft

Nicht nur die Qualität der Grundschule ist ein Thema, sondern auch die Frage, wie sich das Schweizerische Bildungssystem nach den Herausforderungen der künftigen Wissensgesellschaft neu ausrichten kann. Eigenverantwortliches, lebenslanges Lernen wird künftig die Maxime sein. Als ein Land mit wenig Rohstoffen ist die Schweiz ganz besonders darauf angewiesen, sich durch ein herausragendes Bildungsniveau auch international behaupten zu können. Zu den möglichen Verbesserungen des Schweizerischen Bildungssystems gehören neben der Einführung einer Grundstufe auch die Probleme des im internationalen Vergleich späten Schuleintritts sowie der überdurchschnittlich langen mittleren Studiendauer.

Auf Grund von eben solchen Diskussionen, die wir anlässlich von Sitzungen des Stiftungsrates der Fritz-Gerber-Stiftung auch geführt haben, ist dabei mit Hilfe von Fred Haenssler, Mitglied des Stiftungsrates, ein parlamentarischer Vorstoss entstanden (Motion «Schuleintritt im 6. Altersjahr»).

In der Begründung dieser Motion wird ausgeführt, dass der relativ späte Schuleintritt in der Schweiz nicht nur zu späten, eher verzögerten Studienabschlüssen auch im europäischen Vergleich führt, sondern auch die Mobilität durch die heute vorhandenen unterschiedlichen Schuleintrittsalter in den Kantonen behindert. Die Motion war aber keineswegs als Eingriff in die Schulhoheit der Kantone gedacht, sondern sollte als Ansporn für Rahmenbedingungen, welche die Projekte zu einer neuen Grundstufe ergänzen könnten, verstanden werden. Im März 2002 wurde diese Motion im Nationalrat diskutiert und als Postulat gutgeheissen.

3. Fritz-Gerber-Stiftung als wichtige Ergänzung

Angesichts einiger Bewegung in den Strukturen des Bildungswesens und den vielen, manchmal intensiven bildungspolitischen Diskussionen bleibt eines klar: Möglichst gute schulische Voraussetzungen für alle zu garantieren bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Dazu braucht es aber spezifische Förderung der vielfältigen Begabungen junger Menschen in diesem Land – und da ist die Fritz-Gerber-Stiftung aus meiner Sicht nicht mehr wegzudenken.

Felix Gutzwiller



Prof. Dr. med Felix Gutzwiller
Stiftungsrat

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